Danke für den Funken:

Danke für den Funken:

Wenn Bilder fallen und Funken bleiben, ein Abschied in Freiheit.

Es gibt Begegnungen im Leben, die hinterlassen keine flüchtigen Spuren, sondern verändern die eigene Umlaufbahn für immer. Der Tod von Fikret Yakaboylu, dem Kopf hinter dem legendären Kreativ-Café Neruda, ist ein Moment, der schmerzhaft innehalten lässt. Während diese Zeilen entstehen, kullern die Tränen – und gleichzeitig ist da eine unendliche Dankbarkeit für einen ganz besonderen, einzigartigen Mann.

Ich kann und will gar nicht seine ganze Biografie herunterbeten, dafür kannte ich ihn nicht gut genug. Aber ich kann von dem Moment erzählen, als er mein Leben berührte.

Offene Arme, offene Herzen

Es ist viele, viele Jahre her. Ich war ein völlig unbekannter, unerfahrener junger Künstler, getrieben von Kreativität, aber gelähmt von Schüchternheit. Zusammen mit einer Künstler-Kollegin betrat ich damals das Neruda. Was uns dort erwartete, war keine elitäre Galerien-Kälte: Wir wurden mit offenen Armen und einem noch offeneren Herzen empfangen.

Dieses unbändige Charisma und die pure, freie Energie, die in diesem Raum herrschten, haben sich bis heute tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Weil ich selbst viel zu schüchtern war, um überhaupt den Mund aufzubekommen und mich vorzustellen, übernahm der Herbergsvater des Cafés das einfach für mich. Er präsentierte diesen ungeschliffenen, jungen Künstler mit einer Selbstverständlichkeit seinem breiten Publikum, die mich noch heute ehrfürchtig werden lässt. Welch eine Ehre.

Und wir durften dort nicht nur für einen einzigen Tag ausstellen – er schenkte uns Raum und Zeit, mit Sicherheit für einen ganzen Monat. So genau weiß ich das nach all den Jahren leider gar nicht mehr, aber wieder einmal: Was für eine Ehre.

Mit großer Sicherheit war das eine dieser magischen Begegnungen, die am Ende dazu geführt haben, die Anti Galerie ins Leben zu rufen. Der Gedanke dahinter war der Funke, den ich damals spüren durfte: Kleinen, unentdeckten Künstlern eine Plattform zu geben, genau so, wie es mir einst dort ermöglicht wurde.

Von fallenden Bildern und wahrer Größe

Wenn ich an die Ausstellung zurückdenke, muss ich trotz der Trauer lächeln. Ich hatte die Halterungen für meine Bilder damals selbst „gebaut“. Nun ja, sie hielten knapp 24 Stunden. Danach verabschiedete sich die Konstruktion und meine Werke fielen in schöner Regelmäßigkeit von der Wand.

Ich war peinlich berührt, wollte im Erdboden versinken und bin tausend Tode gestorben. Und der Chef des Hauses? War er sauer? Genervt von dem Chaos? Kein Stück. Er blieb völlig gelassen und meinte nur sinngemäß zu mir:

„So bleiben deine Bilder den Leuten jeden Abend auf eine ganz besondere Weise im Gedächtnis.“

Das beschreibt sein ganzes Wesen: Wo andere Probleme sahen, sah er das Leben und den Charme des Unperfekten.

Es brauchte keine jahrelange Freundschaft, um zu verstehen, was für ein großer Geist hier gewirkt hat. Er hat Räume für Kreativität geschaffen und Menschen an sich selbst glauben lassen. Danke für den Mut, die Wärme und die Inspiration, die auch in der Anti Galerie weiterleben wird.

Rest in Freedom, Fikret.


Dein Beitrag zählt!

Die Anti Galerie lebt von der Vielfalt und dem Mut der Künstlerinnen und Künstler, die sich den konventionellen Regeln widersetzen. Wenn du jemanden kennst, dessen Kunst diese Essenz des Widerstands, der kompromisslosen Authentizität und des reinen Ausdrucks verkörpert,egal, woher diese Stimme stammt und unter welchen Umständen sie erschaffen wurde, dann sende uns gerne deine Empfehlungen.

Ob kraftvolle Gemälde, radikale digitale Werke, Links zu mutigen Künstler-Portfolios, spannende Projekte oder einfach nur eine Idee: Wir sind immer auf der Suche nach den ungebändigten Stimmen, die eine Plattform verdienen, um ihre Wahrheiten zu enthüllen.
Schicke uns deine Vorschläge an rebellion@antigalerie.de – gemeinsam geben wir der wahren Kunst ihre Bühne zurück!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert